into the wild Into the wild – Allein in die Wildnis | Die Geschichte von Chris McCandless

Ab und zu mal fesselt mich ein Film, und noch viel seltener tut dies (leider) ein Buch. Aber vor ein paar Wochen erhielt ich die DVD “Into the wild” in die Hand, mit dem Hinweis “Schau dir den mal an, gefällt dir bestimmt”. Naja, und so hab ich mir halt die DVD mal angesehen, und war wirklich vom ersten Moment an sehr gefesselt. “Into the wild – Allein in die Wildnis” – der Titel lässt vielleicht irgendein Helden-Epos im Clint Eastwood-Stil vermuten. Weit gefehlt, aber irgendwie auch nicht. Zumindest was das Helden-Epos angeht.

“Into the wild” erzählt die Geschichte von Christopher Johnson McCandless, der im Jahr 1990 nach seinem äußert erfolgreichen Schulabschluss sein reiches Elternhaus hinter sich lässt, um mit minimalster Ausstattung durch die USA zu ziehen. Chris McCandless möchte “nur mit dem Leben, was die Natur so hergibt”. Im Laufe seiner Reise formt sich in ihm das Ziel seiner Reise, Alaska. Dieses Ziel erreicht Chris McCandless schließlich auch im Jahr 1992, seine Reise findet hier – in einem ausrangierten, zur Notunterkunft umfunktionierten Bus in Denali Borough –  mit seinem Ableben ein tragisches Ende.

“Freude empfinden wir, wenn wir neue Erfahrungen machen. Von daher gibt es kein größeres Glück, als in einen immer wieder wechslenden Horizont blicken zu dürfen, an dem jeder Tag mit einer ganz anderen Sonne anbricht” (Chris McCandless in einem Brief an Ron Franz)

Der Autor Jon Krakauer hat in seinem Buch “Allein in die Wildnis” den Weg von Chris McCandless nachverfolgt, und so weit es geht nachzukonstruieren. Denn McCandless schaffte eines: Seine Eltern, die er nie in seine Pläne einweihte, und zu denen er ein sehr gespaltenes Verhältnis hatte, konnten ihn nie aufspüren. Erst nach seinem Tod im Magic Bus wussten sie, was mit ihrem Sohn geschehen war. In dem Buch von Krakauer merkt man, wie sehr ihn selbst die Geschichte von McCandless fasziniert und beschäftigt. Mit welcher Intension er den Weg verfolgt. In diesem Fall tut dies aber meiner Meinung nach dem Buch recht gut. So zumindest hat es mich von Anfang an sehr gefesselt. Die Gespräche mit Menschen, die McCandless während seines Weges traf, Auszüge aus Briefen an diese Menschen, Vergleiche mit anderen Tramps – all das rundet das Buch “Allein die Wildnis” ab.

“Rather than love, than money, than faith, than fame, than fairness… give me truth. “ (Chris McCandless)

Sean Penn verfilmte die Geschichte. Und obwohl er für mich manchmal etwas gefühlsüberladen daherkommt, etwas überspitzt pathetisch, so glaube ich aber auch, dass er einen sehr guten Eindruck von McCandless und seiner Absicht vermittelt. Nicht verschweigen darf man, wenn man über den Film schreibt oder spricht, den grandiosen Soundtrack von Eddie Vedder, den Frontman von Pearl Jam. Besser hätte man die Musik für den Film nicht wählen können. Allein die Songs versprechen bei genaueren Hinhören Gänsehaut.

Hier exemplarisch der Song “Society” (Society – Text Download)

Wer ist aber nun dieser Chris McCandless bzw. was ist seine Geschichte, dass es wert ist, ein Buch über ihn zu schreiben bzw. einen Film zu drehen?

Nun, grundsätzlich liest man auch in dem Buch von Krakauer, gab und gibt es gerade in Alaska jede Menge “Typen” wie Chris McCandless, die einfach mal eine Zeit lang aussteigen wollen, und nur in und mit der Natur leben, in der Hoffnung irgendwo “ihre” Freiheit zu finden. Allein vielleicht der tragische Tod von McCandless hat den Mythos rund um ihn angeheizt. Wie eingangs erwähnt, stammt McCandless aus einem sehr betuchten Elternhaus, aber das Verhältnis zu seinen Eltern ist sehr gespannt. Er lehnt diesen Wohlstand ab, und innerlich reift in ihm die Sehnsucht nach der Wildnis. Nach Abschluss seines Studiums spendet er sein gesamtes Erspartes, und macht sich auf seinen Weg. Er beschließt sogar seinen Namen abzulegen, und nennt sich fortan “Alexander Supertramp”. Erst im Magic Bus, seiner letzten Stätte findet er, der Verzweiflung nahe, wieder zu seinem richtigen Namen zurück.

“Happiness only real when shared” (Chris McCandless)

Into the wild - Blu Ray und BuchAuf seiner zwei Jahre dauernden Reise trifft er verschiedenste Menschen, die ihn zwar immer irgendwie zu prägen scheinen. Aber bevor der Kontakt zu nah, zu intensiv wird, bricht Alex Supertramp wieder auf, und zieht weiter. Im Buch von Krakauer berichten viele der Wegbegleiter, wie sehr sie die Begegnung mit McCandless beeindruckt hat.

Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, und im Lauf seiner Reise reift in ihm immer mehr der Plan heran, nach Alaska gehen zu wollen. Vermutlich mit bedingt durch seine Begeisterung für den Schriftsteller Jack London. Generell gilt McCandless als grosser Anhänger der Schriftsteller Tolstoi, London und Thoreau.
1992 ist es schließlich soweit – er marschiert nach Alaska, und beschließt einige Zeit völlig abgeschottet von der Zivilisation zu leben. Eine Behausung findet er schließlich im “Magic Bus”, der früher Arbeitern als Unterkunft diente. Dort richtet er sich ein, und ernährt sich vom Beeren, Früchten und selbst erlegtem Wild. Er war der Meinung, in der Wildnis angekommen zu sein.

Trailer zum Film “Into the wild”

Die Nahrung reicht allerdings nicht aus, und er verliert immer mehr an Gewicht. Schließlich beschließt er wieder zurück zu kehren nach Healy. Die Wildnis hinter sich zu lassen. Durch die Schneeschmelze wurde aber der Fluss, den er zu überqueren hatte, unpassierbar, und er kehrte wieder zum Magic Bus zurück. Seine Lage wird immer dramatischer, er immer verzweifelter.

“I think careers are a 20th century invention and I don’t want one.” (Chris McCandless)

Vermutlich am 18. August 1992 stirbt schließlich Chris McCandless, 19 Tage später wird sein Leichnam im Magic Bus von Elchjägern gefunden. Über die Ursache ist man sich nicht im Klaren: Eine Theorie besagt, er sei verhungert. Andere besagen, er hätte sich mit Früchten unwissentlich vergiftet. McCandless hatte über 100 Tage in der Wildnis gelebt.

Die tragischen Umstände seines Todes habe den Mythos, die Geschichte McCandless befeuert. Allerdings scheiden sich an ihm bis heute die Geister, die Meinungen über ihn und seine Reise gehen weit auseinander.

Die eine Seite bewundert ihn für seinen Mut, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Viele, in denen vielleicht ähnliche Träume schlummern, verehren ihn, und zollen Christopher McCandless Respekt.

Aber es gibt vielleicht auch genauso viel andere Stimmen, die McCandless schlicht für einen Träumer halten, der absolut unvorbereitet in die Wildnis aufbrach, und mit nur ein wenig mehr Planung wäre sein Tod nicht eingetreten. So hätte er – wenn er eine vernünftige Landkarte gehabt hätte, gesehen, dass nur ein paar Meilen weiter eine Brücke über den reissenden Fluss geführt hätte.

Ein Alaska-Park Ranger wie folgt zitiert: “McCandless war aus meiner Perspektive auch nicht besonders mutig, sondern einfach nur dumm, tragisch und rücksichtslos. Zunächst einmal verwendete er nur sehr wenig Zeit, um zu lernen, wie man in freier Wildbahn überlebt. Er kam an den Stampede Trail ohne eine Karte von der Gegend. Hätte er eine gute Karte gehabt, hätte er sich leicht retten können”

Wie gesagt – es gibt viele solcher Stimmen.

Wie auch immer – ich finde, dass die Geschichte rund um McCandless schon einen gewissen Reiz ausübt. Genau kann ich es nicht beschreiben, aber ich finde die Art und die Weise, wie er sein Vorhaben umgesetzt hat, bemerkenswert. Sicher, mit ein wenig mehr Planung und etwas weniger Eigensinn wäre sein Tod vielleicht zu verhindern gewesen. Aber, er wollte es halt nicht, aus welchen Gründen auch immer, und hat dies vielleicht auch im Unterbewusstsein in Kauf genommen. Das gilt es zu akzeptieren.
Und, wenn er wohlbehalten wieder heimgekehrt wäre – ob es dann das Buch, den Film und so viel Geschichten rund um Christopher Johnson McCandless gäbe?

Und ich zumindest ertappe mich dabei, dass ich bei meinen Wanderungen seit dem Buch und der DVD schon ab und zu an Chris McCandless denke.

Wie ist eure Meinung dazu?

Ellis Paul – The ballad of Chris McCandless

Trailer zum Film im englischen O-Ton

Weitere Infos:

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