Der Weg in die Freiheit war lang.

Long walk home

Von 1910 an bis weit in die 1970er wurden schätzungsweise über 100.000 Aborigine-Kinder ihren Familien entrissen und in Erziehungsheime verschleppt. Bis heute kämpfen die Ureinwohner Australiens mit den Folgen dieser Aktionen. “Long walk home” beschreibt die wahre Gesichte dreier geflüchteter Mädchen. 

Der Weg in die Freiheit war lang.
Doch sie hatten ein Ziel.

Long walk home.

Ein Film von Phillip Noyce. Soundtrack von Peter Gabriel.

Da mich derzeit leider eine Erkältung mehr oder weniger ans Bett fesselt, gibt es immerhin die Möglichkeit, mal wieder “alte” und manchmal schon vergessene Filme zu schauen. In diesem Fall bin ich über die DVD “Long walk home” gestolpert, den ich mir vor langer Zeit schon zugelegt habe. Genau wie beim ersten Anschauen hat mich dieser Film auch diesmal wieder sofort gefesselt, berührt und bewegt. Der Film stammt aus dem Jahr 2002 und ist von Phillip Noyce. Den imposanten Soundtrack dazu steuerte kein geringerer als Peter Gabriel bei.

Zur Hintergrundgeschichte muss vielleicht etwas ausgeholt werden. Bis weit in die 1970er Jahre hinein verschleppte die australische Regierung unter Berufung auf das General Child Welfare Law (Allgemeines Kinderfürsorgegesetz) die sogenannten Mischlingskinder von den Aborigines und Weißen. Sie wurden in Erziehungs- bzw. Besserungsheime gesteckt. Dort sollten diese umerzogen werden, um in erster Linie der weißen Bevölkerung als Arbeiter und Diener zur Verfügung zu stehen. Die zuständigen weißen Ämter begründeten dies damit, dass die Lebensumstände der Aborigines dadurch verbessert würde und dadurch deren Fortbestand gesichert sei. Durch immer weitere “Mischung” mit der weißen Bevölkerung sollte das angeblich “minderwertige, schwarze Genmaterial” immer weiter minimiert werden.

Letztlich war es also nichts anderes als Rassismus gegen die australischen Ureinwohner und wird heute oft auch als “Völkermord” bezeichnet. Offiziellen Schätzungen zufolge wurden in der Zeit von 1910 bis 1976 über 100.000 Kinder ihren Familien entrissen und verschleppt.

Es besteht auch durchaus Grund zu der Annahme, dass der heute vielmals traurige Zustand des Aborigine-Volkes auf diese Aktionen der weißen Einwanderer zurückzuführen ist. Diese Zeit hat auch den Begriff der “Stolen Generation” geprägt – eine Generation, die ihrer Identität und Geschichte beraubt worden ist.

Long Walk Home

Der Film “Long Walk Home” erzählt die wahre Geschichte von Molly, ihrer Schwester Daisy und deren Cousine Gracie. Sie leben zusammen mit ihren Müttern in Jigalong, einer kleiner Gemeinde in Western Australia. Dort werden sie im Jahr 1931 gewaltsam aufgegriffen und in das ca. 1.500 Meilen entfernte Camp Moore River verfrachtet. Mit vielen anderen Kindern sollen sie dort gemäß dem konsequent verfolgten “General Child Welfare Law” umerzogen werden. Kurz nach ihrer Ankunft in Moore River und nachdem sie an einigen Beispielen gesehen haben, mit welch harter Linie dort regiert wird, beschließt Molly zusammen mit ihrer Schwester und Cousine Gracie die Flucht zu ergreifen.

Ein passende Gelegenheit abwartend, machen sich die drei Mädchen schließlich auf, den “Long Walk Home” durch die endlose Weite Australiens anzutreten. Ihre einzige Orientierung bietet der “Rabbit Proof Fence“, ein über 3.000 km langer Schutzzaun. Dieser wurde zwischen 1901 und 1908 erbaut, um Kaninchen und andere Tiere vom Weideland in Westaustralien fernzuhalten. Da Jigalong an diesem Zaun liegt, beschließen sie, diesem zu folgen.

Schnell wird ihre Flucht bemerkt – und der zuständige Beamte schickt den Fährtensucher Moodoo los, um die Entflohenen zu fangen. Den dreien, allen voran Molly gelingt es aber immer wieder geschickt ihre Spuren zu verwischen, und so Moodoo und auch der Polizei immer wieder zu entkommen.

Entlang des Rabbit Proof Fence

Durch ein Gerücht, bewusst gestreut vom Leiter des Camp Moore River, wird Gracie allerdings irrtürmlich glaubhaft gemacht, dass ihre Mutter mittlerweile in einer anderen Stadt ist. Sie beschließt auf eigene Faust den nächstgelegenen Bahnhof zu erreichen, um zu ihrer Mutter zu gelangen. Zunächst gehen Molly und Daisy ihren Weg weiter, beschließen aber dann doch, umzukehren, um ihre Cousine zur Umkehr zu bewegen. Sie kommen allerdings zu spät. Sie müssen mit ansehen, wie Gracie von Polizeibeamten wieder aufgegriffen und verschleppt wird. Dort verliert sich auch ihre Spur.

Die Schwestern Molly und Daisy gehen weiter entlang des Rabbit Proof Fence. Nach ca. neun Wochen, und kurz bevor sie zu scheitern drohen, erreichen sie schließlich wieder Jigalong, wo sie von ihrer Mutter und Großmutter empfangen werden.

Der Film endet mit den Bildern und Worten zweier alter Frauen. Es sind die echten Molly und Daisy. Molly berichtet, dass sie nach ihrer Hochzeit zusammen mit ihren Kindern erneut aufgegriffen und nach Moore River gebracht wurde. Und sie wieder zu Fuss mit ihrer Tochter auf dem Arm flüchtete. Als diese drei Jahre alt war, wurde sie ihr aber wieder weggenommen. Sie hat ihre Tochter nie wieder gesehen.

Molly und Daisy wohnten immer noch in Jigalong, ihrer Heimat, in “ihrem Land”.

Imposanter Soundtrack von Peter Gabriel

Dem Filmemacher Phillip Noyce ist es gelungen, in beeindruckenden Bildern die Geschichte der drei Mädchen und deren Familien darzustellen – sinnbildlich vielleicht für die gesamte “Stolen Generation”. Ein absolut bewegender Film über den – gesetzlich legitimierten – Raubbau an einer Kultur, die dadurch nahezu zerstört wurde und unter den Folgen noch heute leidet. Kein Film für einen entspannten Fernsehabend – aber absolut sehenswert.

Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ist der fantastische Soundtrack von Peter Gabriel. Die einzelnen Etappen und Schlüsselszenen werden durch den Instrumentalsoundtrack betont und verstärkt. Die Musik tut ihr Übriges, dass dieser Film mehr als nur bewegt. Peter Gabriel ließ bei diesem Soundtrack viele Elemente der traditionellen Musik der Aborigines einfließen. Der Soundtrack ist auch als eigenes Album erschienen.

The long walk home - Trailer

Hier ein Trailer zum Film “Long walk home” (Originaltitel “Rabbit Proof Fence”) von Philllip Noyce

Gracies Recapture- Soundtrack "Long walk home"

Hier ein Song aus dem Soundtrack zu Long Walk Home. Musik zu der Szene, als Gracie erneut von der Polizei aufgegriffen und verschleppt wird, und sich ihre Spur verliert.