Solang der Herrgott will...

Ein Film von Hubert Schönegger
Wertvolle Zeitzeugnisse in beeindruckenden Bildern

Solang der Herrgott will…

Ein Film von Hubert Schönegger

Ein Film mit beeindruckenden Zeitzeugen aus Südtirol. Diese besonderen Menschen berichten aus einer gefühlt vergangenen Zeit, geprägt von harter Arbeit, aber auch von Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ein Film des Südtirolers Filmemachers Hubert Schönegger.

Ja, noch gibt es sie. Menschen, die von einer gefühlt längst vergangenen Zeit berichten können. Einer Zeit geprägt von harter Arbeit, von Armut, von bescheidenen Verhältnissen und einem Lebensrhythmus bestimmt von Handwerk, Haus- und Hofarbeit. Und tiefem Glauben.

Aber auch geprägt von tiefer Zufriedenheit und Dankbarkeit für das Erreichte, für das mit den eigenen Händen Geschaffene. Fernab von Konsum, vom Immer-mehr-Wollen und ständigem Lechzen nach mehr. Einfach zufrieden sein.

Vor Kurzem bin ich mehr oder weniger durch Zufall – der Trailer zu dem Film war in meinen Empfehlungen bei youtube gelistet – auf den Film „Solang der Herrgott will…“ gestossen. Ohne große Erwartungen habe ich einfach mal reinklickt. Und ja – ich war vom ersten Moment gefesselt. Von den Bildern, von den Menschen und den Geschichten. Schnell war mir klar, dass dieser Film etwas Besonderes ist, und ich machte mich auf die Suche nach weiteren Informationen dazu. Ich fand heraus, dass es sich dabei um eine Produktion des Südtiroler Filmemachers Hubert Schönegger und seiner Firma geosfilm handelt. Schnell fand ich auch heraus, dass der Film zu der Zeit noch nicht im Handel erhältlich war.

Lebensgeschichten zum Mitfühlen.

Somit war Geduld angesagt – und es sollte sich lohnen. Mittlerweile bin ich stolzer Besitzer der Blu Ray Version des Films „Solang der Herrgott will…“ – und habe ihn mir schon zigfach angeschaut. Nach wie vor bin ich tief beeindruckt und berührt von den Menschen und Geschichten, die in dieser Produktion porträtiert werden. Auch wenn diese alle in Südtirol und somit so gar nicht in meiner Umgebung beheimatet sind – dennoch sind diese drei Porträts sehr bemerkenswert für mich.

Es sind drei Lebensgeschichten, die zum Nachdenken anregen. Zum Mitfühlen, Lachen oder zumindest zum Schmunzeln.

Es geht um die Geschichte von Kamerschin, einem kleinen Weiler auf einer Höhe von 1.550m in der Gemeinde Pfunders. Erstmals erwähnt wurde Kamerschin im Jahre 1395. Der Sage nach hat ein Riese Kamerschin in die steilen Hänge der Felswände getreten. Kamerschin scheint aufgrund seiner Idylle und atemberaubenden Schönheit irgendwie unwirklich, wirkt es doch wie aus einem erfundenen Bergroman. Aber Kamerschin und die Kamerschinhöfe sind Realität. Die Welt liegt auf Kamerschin sprichwörtlich zu Füßen. Anton Gasser erzählt über die harten Tage und die Geschichte von Kamerschin, berichtet vom Winter 1951, in dem es „16 Meter Schnee gemacht hat“, und in dem der Weiler wie durch ein Wunder von einer massiven Lawine verschont und nicht mit ins Tal gerissen wurde. Kamerschin zeugt von einer Tradition einer jahrhundertelangen Pflege der Natur und Kulturlandschaft.

Anton Gasser weiß, warum das Erbe seiner Vorfahren über die Jahrhunderte Auftrag, Verpflichtung, aber auch Bleibe für die Nachkommen ist. Und das wohl auch noch für etliche Generationen bleiben wird. Man mag es Kamerschin in jedem Fall so wünschen.

“Jeden Tag, wo ich aufstehen kann, bin ich heilfroh.”

Die beiden Brüder Hermann und Anton Prenn leben in Obostock, einem kleinen Anwesen in Mühlwald. Die beiden teilen sich die Haus- und Hofarbeit, und haben dabei eine ganz besondere Herausforderung zu bewältigen: Anton lebt mit einer schweren Beeinträchtigung – er ist Anfang der 1990er Jahre erblindet. Seither lebt er sein Leben trotzdem eigenständig. Er orientiert sich anhand seines Gedächtnisses und seines Spürsinnes rund um den Hof, und das auf faszinierende Art und Weise. „Wenn zum Beispiel der Strom ausfällt finde ich mich viel leichter zurecht als die anderen, die sehen können.“, erzählt Anton Prenn mit einem Lächeln.

Wir sind zufrieden. Wenn wir es nicht wären, müssten wir etwas ändern

Aber er meint auch: „Nichts zu sehen ist immer besser, als wenn ich nichts hören würde.“ Das zeigt, wie Anton und auch sein Bruder Hermann trotz der Beeinträchtigung und trotz der einfachen Verhältnisse auf ihre Art glücklich sind und Frieden gefunden haben. „Wir sind zufrieden. Wenn wir es nicht wären, müssten wir etwas ändern“, meint Hermann Prenn.

Obwohl es auch öfter zum Streit zwischen den beiden kommt, scheinen Hermann und Anton Prenn aufeinander angewiesen. Der eine kann nicht ohne den anderen. Eine Frau am Hof gibt es nicht, und Hermann sagt: „Jetzt brauch ich keine Frau mehr am Hof. Ich habe mich jahrelang um die Mutter gekümmert. Und jetzt mach ich das halt auch.“

Einzig der Hund Kira bietet Ablenkung und gibt den beiden Sicherheit. Wie es denn mal weitergeht mit dem Anwesen Obostock? Irgendwann werden fremde Gesichter aus den Fenstern schauen, meinen die beiden Brüder. Aber man darf mit der Zeit nicht hadern, und muss sich damit abfinden. So sagt Anton Prenn: „Ich kann nicht mehr 20 Jahre werden, wenn dann nur noch 120 Jahre. Zrück gehts halt einfach nimma.“

Für mich persönlich der heimliche Star im Film „Solang der Herrgott will…“ ist aber Frieda Gamper. Sie ist die „Unterschallerbäuerin“ in Völs, und die viele Arbeit lastet schwer auf den Schultern von Frieda Gamper. „I kimm ja nimma weit“ sagt die 87-jährige. Und tatsächlich, das Gesicht berührt fast den Boden, so gebeugt geht die Bäuerin und Mutter mittlerweile durch den Alltag. „Es ist wohl kaum jemand so buckelig wie ich“, meint Frieda Gamper. „Freude an der Arbeit hätte ich immer noch, aber meine Kraft ist zu Ende.“

Aber sie erzählt das ohne Jammern, ohne Hadern. Im Gegenteil. Sie wirkt ungemein stolz auf das Erreichte, auf das was sie in ihrem Leben geschafft hat. Und auf das, was sie jetzt immer noch schaffen kann. Sie vermittelt eine unglaubliche Art der Dankbarkeit – trotz der Lasten ihres Lebens: „Jeden Tag, wo ich aufstehen kann, bin ich heilfroh.“ Sie hat einen bemerkenswerten Optimismus inne und blickt mit der ihr eigenen Zähigkeit immer nach vorne.

Bäuerin zu sein bedeutet für mich, für alle da zu sein.

Zudem wird das Augenlicht immer weniger, wozu sie sagt: „Weinen darf ich deshalb nicht, weil die Augen sowieso schon so schmerzen.“
Das Gefühl, ihrem Sohn, der mittlerweile die Hofarbeit weiterführt, zu helfen, gebraucht zu werden, sind ihr Lohn. Voller Überzeugung sagt Frieda Gamper: „Bäuerin zu sein bedeutet für mich, für alle da zu sein.“ Wie lang sie noch die Bäuerin beim Unterschaller bleiben will? “Solang der Herrgott will…”

Der Filmemacher Hubert Schönegger hat es geschafft. Er hat diese drei Geschichten eingepackt in gut 45 Minuten toller Bilder und dazu ganz wunderbar passendem Sound. Die „Darsteller“ machen diesen Dokumentarfilm zu einer lebendigen Wertschätzung für eine Generation, die Wertvolles geleistet hat. Der Film beeindruckt neben den Geschichten durch faszinierende Bilder der Südtiroler Bergwelt, ohne aber überladen daher zu kommen. Immer im Vordergrund stehen die Menschen und deren Lebensgeschichten. Und diese sind es absolut wert.

Ich bin sehr beeindruckt von diesem Projekt, und kann jedem diesen Film echt jedem nur ans Herz legen. (Was natürlich für den Nicht-Südtiroler ein sehr positiver Aspekt ist: die Untertitel. Denn die Dialekte sind ebenfalls sehr eigen. Aber gehören zu einem Projekt wie diesem in jedem Fall dazu.)

Hinweis: Alle Bilder hier auf der Seite – Copyright geosfilm.

Video

Hier einer der Trailer zum Film “Solang der Herrgott will…” von Hubert Schönegger, geosfilm.

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